Reformationsjubiläum mit der WPR

03.11.2017 08:09

Kleine "Reformationstournee"

Alle Welt feiert 500 Jahre Reformation. Die Württembergische Philharmonie Reutlingen (WPR) feiert mit, und zwar gerne. Denn die Ansicht Martin Luthers, „dass nach der Theologie keine Kunst sei, die mit der Musik könne verglichen werden“, findet fraglos Zustimmung bei allen Orchestermitgliedern, gleich welcher Religionszugehörigkeit - allenfalls mit der Einschränkung, dass Theologie ihrem Wortsinn gemäß als Lehre, nicht als Kunst zu betrachten sei und somit die Musik sogar auf die erste Stelle aller Künste rücke.

Auch der hochaktuellen Forderung, die Luther für unsere Bildungspolitiker/innen parat hatte, kann sich das Orchester unumwunden und mit allem Nachdruck anschließen: „Man muss die Musik unbedingt in den Schulen halten. Ein Schulmeister muss singen können, sonst sehe ich ihn nicht an," Schließlich hatte Luther selbst gründliche musiktheoretische Unterweisung genossen, er hatte nicht nur als Schüler vor wohlhabenden Bürgerhäusern „um Brot“ gesungen, sondern Gregorianik, Figuralmusik und Mehrstimmigkeit in Theorie und Praxis studiert. Dabei war er zu der Erkenntnis gekommen: „Wer sich die Musik erkiest, hat ein himmlisch Werk gewonnen“.

Die WPR bricht deshalb demnächst zu einer kleinen „Reformations-Tournee“ auf, spielt an Luthers Geburtstag, dem 10. November, in Ansbach, an seinem Namenstag, dem 11. November, in Bietigheim-Bissingen und einen Tag darauf in Worms, wo der Reformator 1521 vor dem Reichstag Positionen seiner reformatorischen Hauptschriften verteidigte. Am 13. November schließlich findet das Sinfoniekonzert in Reutlingen statt, wo der „Luther Schwabens“ Matthäus Alber wirkte. Danach folgen noch Termine in Frankenthal, Kempten und Villingen-Schwenningen. Auf dem Programm jeweils: das Vorspiel zum Bühnenweihfestspiel Parsifal, in welchem Wagner christlich-mythologische Traditionen mit buddhistischen, hinduistischen und philosophischen Ansätzen verband, sowie die Reformationssinfonie des jüdisch geborenen Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Leitung der Konzerte hat der neue WPR-Chefdirigent und bekennende Muslim Fawzi Haimor.

Musik verbindet eben, und auch das wusste Luther: „Ich wollte von Herzen gern diese schöne und köstliche Gabe Gottes, die freie Kunst der Musica, hoch loben und preisen. Weil diese Kunst von Anfang der Welt allen Kreaturen von Gott gegeben und von Anfang mit allen geschaffen ist“.

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