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2. Sinfoniekonzert

Reutlingen, Stadthalle

Bohuslav Martinu, Mahnmal für Lidice (arr.  Andreas Luca Beraldo, UA)
Stephan Boehme, Aries. Hommage à HAP Grieshaber. Audiovisuelle Fantasie für 2 Klaviere und Orchester (UA)
Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr. 5 c-Moll

GrauSchumacher Piano Duo, Klavier
Fawzi Heimor, Leitung

Aus den Kriegstrümmern ist 1945 nicht nur die Stadt Reutlingen neu erbaut worden, auch die WPR wurde aus der Taufe gehoben: als Zeugnis von Zivilisation, Perspektive für die Zukunft und in der Überzeugung, dass Kultur und Musik den Menschen so wichtig sind wie Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Wir feiern deshalb als ein Orchester, das nicht, wie viele andere Klangkörper, als Hofkapelle von und für Adelige entstand, sondern aus der Mitte der Gesellschaft heraus für alle Menschen. Bis heute sind wir von diesem Impuls getragen und freuen uns in den verschiedenen Konzertformaten über die unterschiedlichsten Menschen. Anlass genug, das 75jährige Bestehen mit einer Durch-Nachtzum- Licht-Dramaturgie zu feiern. Auch das Reutlinger Rathaus war Bomben zum Opfer gefallen und lag in Trümmern. Für das Foyer des neuen Rathauses (1966) schuf der Reutlinger Künstler HAP Grieshaber seinen „Sturmbock“. In den 13 Meter langen Stamm aus afrikanischem Abachiholz schnitzte er Motive aus der Stadtgeschichte: Ein Kunstwerk mit Symbolwert, nimmt es doch seinerseits Bezug auf den historischen Sturmbock, der bis zum großen Stadt brand 1726 einst als Wahrzeichen für den Stolz der Freien Reichsstadt und ihrer Unabhängigkeit stand. Der Reutlinger Komponist und Filmemacher Stephan Boehme fotografierte HAP Grieshabers Meisterwerk ab, erfasste Strukturen und Details, die im Konzert visuell und live zur Musik zum Leben erweckt werden. Interpreten sind mit dem GrauSchumacher Piano Duo ebenfalls zwei Solisten aus der Region. Sie sind seit langem eng mit der WPR verbunden und wir freuen uns, dieses im Hinblick auf die Orchestergründung ausgesprochen symbolhafte Programm mit ihnen bestreiten zu dürfen. Die Klammer bildet neben Beethovens Fünfter das Mahnmal für Lidice von Bohuslav Martinů, komponiert nachdem die Nationalsozialisten 1942 das Dorf Lidice niedergebrannt, die Menschen umgebracht und in Konzentrationslager deportiert hatten. Auf dem massiven Höhepunkt kurz vor dem überraschend tröstlichen Ende erklingt das „Schicksalsmotiv“ aus Beethovens Fünfter, dem musikalischen Symbol der Aufklärung schlechthin, das uns in strahlend leuchtendes C-Dur führt.

Aufgrund der gültigen Abstandsregeln zwischen den Orchestermitgliedern musste das Werk von Bohuslav Martinů für eine kleinere Besetzung arrangiert werden. Das Arrangement entstand eigens für diese Aufführung mit freundlicher Genehmigung vom Verlag Bärenreiter Praha und der Bohuslav Martinů Foundation. Arrangeur ist Komponist Andreas Luca Beraldo.

Vorverkauf ab 18. September 2020. Aus Hygiene- und Sicherheitsgründen soll eine Abendkasse vermieden werden, es wird daher nicht die Möglichkeit geben, Karten an der Abendkasse hinterlegen zu lassen.

Hinweis: Die Konzerteinführung muss leider entfallen, beachten Sie aber den Entdeckerabend am 17. Oktober!

 

© Dietmar Scholz

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