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3. Sinfoniekonzert Zeitalter der Angst?

Reutlingen, Stadthalle

Leonard Bernstein, Sinfonie Nr. 2 “The Age of Anxiety” für Klavier und Orchester
Antonín Dvořák, Sinfonie Nr. 9 e-Moll “Aus der neuen Welt”

Claire Huangci, Klavier
Ariane Matiakh, Leitung

Age of Anxiety – Zeitalter der Angst: Klingt das nicht höchst gegenwärtig? Angesichts Pandemie, Klimakatastrophe, auseinander driftenden Gesellschaften und weltpolitischer Umbrüche scheint die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttert wie nie zuvor. Doch ist dieses Urteil wirklich gerechtfertigt?

Ist Angst ein Produkt der „schönen neuen Welt“, um auf den Titel des berühmten dystopischen Romans von Aldous Huxley zurückzugreifen? Gab es nicht immer „Zeitalter der Angst“, und gibt es auf der anderen Seite der Waagschale nicht auch Errungenschaften, die Hoffnung auf die Zukunft machen?

Impulsgeber: Prof. Dr. phil. Thomas Schmaus, Professor für philosophische Anthropologie, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter

Die Impulse veröffentlichen wir ca. 6 Wochen vor dem Konzerttermin auf unserer Homepage

Mit "The Age of Anxiety" ("Das Zeitalter der Angst") spürte Bernstein 1949 dem Lebensgefühl der (Nach-)Kriegsgeneration nach, wie sie im gleichnamigen, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Erzählgedicht von Wystan Hugh Auden beschrieben ist, das sich gegen die barbarische Seite der Zivilisation richtet. Dort offenbart der Kontrast zwischen der Form als barockes Hirtengedicht (Ekloge) und dem Inhalt zynische, desillusionistische Züge: Vier einsame Protagonisten flüchten sich während des 2. Weltkriegs in New York City in eine Bar. Über das Hören der Kriegsnachrichten und Werbung kommen sie ins Gespräch über die sieben Zeitalter des Menschen. Der Alkohol zieht alle in einen gemeinsamen vom Rausch bestimmten Traum. Darin durchqueren sie sieben Stationen einer imaginären Lebenslandschaft. Am Ende bleiben die vier bei Auden aber so einsam zurück wie sie sich begegnet sind.

Bernstein komponierte die Sinfonie mit Klavierpart „wegen der hohen persönlichen Identifikation meiner selbst mit dem Gedicht. In diesem Sinn wirkt der Pianist wie ein autobiographischer Protagonist; er wird gegen den Spiegel des Orchesters gesetzt, in dem er sich selbst analytisch und in einer modernen Atmosphäre sieht“ so der Komponist. „Die wesentliche Linie des Gedichts ist das Protokoll unserer schwierigen und problematischen Suche nach Glauben. Am Ende erkennen zwei der vier Charaktere den Glauben und offenbaren zugleich ihre Unfähigkeit, sich im täglichen Leben danach zu richten.“

Für den Klavierpart konnte die in New York geborene Pianistin chinesischer Abstammung Claire Huangci gewonnen werden, Gewinnerin der Internationalen Chopin-Wettbewerbe in Darmstadt und Miami (2009/2010), zweite Preisträgerin beim renommierten ARD-Musikwettbewerb (2011) und Gewinnerin des ersten Preises sowie des Mozartpreises beim Concours Géza Anda (2018).

19 Uhr Konzerteinführung im Kleinen Saal

Es gibt wieder eine Bewirtung vor dem Konzert und in der Pause. Bei Grauer Gastro, Telefonnummer 07121/138 45 10, oder hier unter Pausenverpflegung Stadthalle, können Sie vorbestellen.

© Mateusz Zahora

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