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4. Sinfoniekonzert Bös-Willig?

Reutlingen, Stadthalle

Leoš Janáček, Ouvertüre zur Oper „Aus einem Totenhaus“
Ludwig van Beethoven, Tripelkonzert C-Dur op. 56 für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester
Dmitri Schostakowitsch, Suite aus der Oper Lady Macbeth von Mzensk

Trio RoVerde:
Ekaterina Litvintseva, Klavier,
Lusiné Harutyunyan, Violine,
Caroline Sypniewski, Violoncello

Pawel Kapula, Leitung

Den Rahmen des Konzerts bildet Musik aus Opern, die von Unterdrückung, Willkür und Demütigung handeln. Janáček stellte der Partitur als Motto voran: „In jedem Geschöpf ist ein Funke Gottes“, nach einem Max Brod gewidmeten Zeitungsartikel (1927), in dem es hieß: „Dostojewski fand im ‚Toten Haus‘ [der Opernvorlage; Anm.] eine gute menschliche Seele auch in jedem Sträfling.“ Seine Oper wirft Schlaglichter auf von Erniedrigungen und Beleidigungen geprägte Biographien.

In Lady Macbeth von Mzensk ist die Titelfigur Katerina Opfer des gewalttätigen Ehemanns und lüsternen Schwiegervaters. Sie wird nach Demütigungen zur Mörderin. Der Komponist: „Zu meiner Aufgabe gehörte es, Katerina so weit wie möglich freizusprechen, damit der Zuschauer von ihr den Eindruck einer positiven Persönlichkeit erhält. Ich bemühte mich, Katerina als einen positiven Menschen darzustellen, der das Mitgefühl des Publikums verdient. Dieses Mitgefühl hervorzurufen, ist nicht einfach. Katerina begeht die mit Moral und Ethik unvereinbaren Handlungen – zwei Morde. (….) Katerina ist eine kluge, interessante und talentvolle Frau. Infolge der grauenhaften Umgebung, in die sie das Leben gestellt hat (...) wird ihr Leben traurig, uninteressant, trostlos. (…) Die musikalische Sprache Katerinas soll zu weitgehenden Verteidigung der Verbrecherin dienen“.

19 Uhr Konzerteinführung  im Kleinen Saal

Es gibt wieder eine Bewirtung vor dem Konzert und in der Pause. Bei Grauer Gastro, Telefonnummer 07121/138 45 10, oder hier unter Pausenverpflegung Stadthalle, können Sie vorbestellen.

Wir fragen unser Publikum: Gibt es „das Böse“?

„Der Mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“ (Arthur Schopenhauer)

Wenn wir jemanden aufgrund seines Handelns für böse halten, setzen wir stillschweigend voraus, dass er auch anders hätte handeln können, sich aber zwischen mehreren Möglichkeiten aus freiem Willen für schadhafte Handlungsweise entschieden hat. Doch ist das so?

Impulsgeberin: Prof. Dr. Rita Haverkamp, Stiftungsprofessorin für Kriminalprävention und Risikomanagement an der Universität Tübingen

© Lisanne Soeterbroek

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