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8. Sinfoniekonzert LIEBE(S) TOD UND PARADIES

Reutlingen, Stadthalle

Richard Wagner, Vorspiel und Isoldes Liebestod aus der Oper Tristan und Isolde
Richard Wagner, Wesendonck-Lieder für Sopran und Orchester
Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 1 D-Dur

Anne Schwanewilms, Sopran
Ariane Matiakh, Leitung

Liebesrausch und Todessehnsucht: Ekstase als Grenzerfahrung und Fragen nach dem Jenseits sind in der Musik beider Komponisten von Bedeutung. Doch neben einigen Gemeinsamkeiten zwischen dem Antisemiten Wagner und dem katholisch getauften Juden Mahler stellt sich doch auch die Frage: (Unter welchen Umständen) darf Kunst von fehlbaren Schöpfern präsentiert werden?

Den Tod als beglückende Erlösung erkennt Isolde, wenn sie am Ende der wohl berauschendsten „Oper der Ekstasen“ (Kurt Pahlen) in einer Vision verklärt über den Leichnam des Geliebten Tristan sinkt: „In des Welt-Atems wehendem All ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust!“
Mindestens platonische Liebe verband den Komponisten Richard Wagner mit Mathilde Wesendonck, deren Gedichte er als autobiographische Vorstudie für Tristan und Isolde vertonte.

Dall’inferno al paradiso hatte Gustav Mahler das Finale seines sinfonischen-Erstlings ursprünglich betitelt: Seine Vision des Paradieses bricht sich erst nach urgewaltigem Ringen in einem grandiosen Hymnus Bahn.

19 Uhr Konzerteinführung im Kleinen Saal

Es gibt wieder eine Bewirtung vor dem Konzert und in der Pause. Bei Grauer Gastro, Telefonnummer 07121/138 45 10, oder hier unter Pausenverpflegung Stadthalle, können Sie vorbestellen.

„Ich weiß für mich, daß ich, solang ich mein Erlebnis in Worten zusammenfassen kann, gewiß keine Musik hierüber machen würde. Mein Bedürfnis, mich musikalisch-symphonisch auszusprechen, beginnt erst da, wo die dunklen Empfindungen walten, an deren Pforte, die in die ‚andere‘ Welt hineinführt; die Welt, in der Dinge nicht mehr durch Zeit und Ort auseinanderfallen“. (Gustav Mahler)

Der katholisch getaufte Jude Gustav Mahler rang ein Leben lang um die existenziellen Fragen der Menschheit. Dabei schöpfte er aus allen ihm verfügbaren Quellen („Bücher fresse ich immer mehr und mehr!“) Er brachte Ideen Platons oder pantheistische Denkweisen Johann Wolfgang von Goethes mit denen des Christentums zusammen und hielt die Lektüre von Dostojewski für Kompositionsstudenten für „wichtiger als der Kontrapunkt“. Letztlich erwies sich Mahler als Freigeist, ohne die Existenz eines (wie auch immer gearteten) Gottes zu leugnen.

Der Komponist und Freund Oskar Fried sah in Gustav Mahler einen „Gottsucher“, sein Freund Alfred Roller betrachtete ihn als „tief religiös“. Doch aufgefordert, eine Messe zu komponieren, lehnte Mahler ab: „Da kommt ein Credo vor. … Nein, das vermag ich doch nicht.“

Impulsgeber (Veröffentlichungder Videos spätestens 6 Wochen vorher):
Dr. Michael Blume, Religionswissenschaftler und Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung
Prof. Dr. med. Tobias Esch, Leiter des Instituts für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung an der Universität Witten/Herdecke
Prof. Dr. phil. Thomas Schmaus, Professor für philosophische Anthropologie Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft

Wir fragen unser Publikum: Gibt es eine jenseitige, andere Welt?

© Javier del Real

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