Maria Kalesnikava über die Kraft der Musik

Am 11. Mai bringen wir Elżbieta Sikoras neues Werk auf die Bühne der Stadthalle Reutlingen. Doch was bedeutet diese Musik für die Frau, der sie gewidmet ist? Für Maria Kalesnikava ist das Werk kein Denkmal, sondern lebendiger Widerstand.

„Ein Klang ist ein Beweis, dass ich lebe“

Nach fünf Jahren Haft kehrt Maria Kalesnikava zur Flöte zurück. Doch es ist keine einfache Rückkehr in einen alten Beruf – es ist ein Akt der Selbstbehauptung. Im Interview betont sie die existenzielle Bedeutung ihres Instruments:

„Nach der Haft ist ein Klang nicht einfach nur ein Klang. Er ist ein Beweis dafür, dass ich am Leben geblieben bin. Dass ich stärker geworden bin. Dass sie mir meine Stimme, meine Kraft, meine Kreativität und meine Freiheit, ich selbst zu sein, nicht nehmen konnten.“

Die Flöte als Atem der Freiheit

Besonders berührend ist Marias Interpretation des Instruments selbst. In einer Welt, die von Isolation geprägt war, wird das Blasinstrument zum Symbol für das Unantastbare im Menschen:

„Die Flöte ist Atem. Und Atem hat nach dem Gefängnis eine besondere Bedeutung. [...] Solange man atmet, bleibt im Inneren ein Gebiet, das nicht besetzt werden kann. Deshalb höre ich dieses Flötenkonzert, das mir gewidmet ist, viel weiter: als ein Werk über den Atem der Freiheit.“

Musik als Akt der Solidarität

In Zeiten von Propaganda und Krieg sieht Kalesnikava in der Komposition von Elżbieta Sikora eine notwendige Gegenkraft. Musik sei die einzige Sprache, die den „Lärm der Welt“ durchbrechen könne:

„Wir leben in einer Zeit des Lärms: Propaganda, Angst, digitale Aggression, Krieg, Lügen, ein endloses Informationsrauschen. Und plötzlich — Musik. Lebendiger Atem. Ein menschlicher Klang. Musik als Akt der Solidarität.“

 

Dieser Abend am 11. Mai wird mehr als ein gewöhnliches Sinfoniekonzert. Es ist die Begegnung mit einer Frau, die ihre Erfahrung, ihre Kraft und ihren Schmerz in ihren neuen Klang integriert hat. Kalesnikava möchte, dass diese Musik auch die Geschichte ihres Landes erzählt – ein Land, „das man zum Schweigen bringen wollte und das trotzdem weiter klingt“

7. Sinfoniekonzert: Am 11. Mai 2026 in der Stadthalle Reutlingen. Deutsche Erstaufführung (Sikora) trifft auf Beethovens „Eroica“.

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Das vollständige, exklusive Interview mit Maria Kalesnikava lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Reutlinger General-Anzeigers.

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